Tips vom Zuchtwart für Züchter:

 

Hier möchte ich einige hilfreiche Tips geben, welche aus langjähriger eigener Züchtererfahrung resultieren, in Zusammenarbeit mit Tierärzten entstanden sind  oder verschiedener  kynologischer Fachliteratur entnommen wurden.

 

ÖBV Zuchtstätten-Richtlinie

 

Die Zuchthündin:

l      Anzeichen der bevorstehenden Hitze

       geringfügige Wesensänderung

        launischer, anschmiegsamer, ungehorsamer ...

       Häufigeres Harnabsetzen

        an Makierungspunkten (für den Rüden!!)

        Hormonspiegel der Hündin steigt an

        (Proöstrus) Eiblasen (Folikel) reifen an beiden Eierstöcken heran

l      „Hitze“

       vermehrte Beleckung der Vulva

        tägliche Kontrolle ob „Färbung“ schon erkennbar!

       Blutung, Schamschwellung

        Ausnahmen sind möglich (stille Läufigkeit)

 

l      Deckzeitpunktbestimmung

       1. Zählmethode

        als erfolgversprechendster Tag gilt der 12. Tag nach Beginn des „Färbens“ (es kann aber von Hündin zu Hündin große Unterschiede geben)

        Duldungsverhalten der Hündin

       Schwanzreflex, Rüdenattraktivität ...

        Schwellung der Vulva nimmt ab, Ausfluss wird wässrig hellrot

        Deckbereitschaft „Stehen“ der Hündin

        Östrus, Eizellen werden freigesetzt (Ovulation beginnt!)

       2. Zeitpunktbestimmung durch den Tierarzt (zu empfehlen bei Hündinnen mit stiller Läufigkeit oder unregelmäßigem Zyklus, auch Hündinnen die als "Nicht-deckbar" gelten - meistens stellt sich dann  heraus, dass einfach nur noch nicht der richige Decktag vom Züchter gefunden wurde - oder der Hundedame der hündische Verehrer nicht sympathisch genug war!!

l      Deckung (ca. 2 - 4 Tage nach dem Feststellen der ersten Rüdenduldung!!!)

       Hündin duldet den Rüden (oder auch nicht?!)

        Achtung: Keine Spielereien mit „anderen“ Rüden zulassen!

        Hündin nur mit Leine „ausführen“ und sicher „verwahren“!

        Es gibt Hündinnen, die das Duldungsverhalten bei Hündinnen(Rüden), die im selben Haushalt leben, schon sehr früh zeigen - dass muss aber nicht mit dem richtigen Deckzeitpunkt übereinstimmen!!

       Deckakt

        „Hängen“ während der Paarung ist zweckmäßig

        Aber auch ohne diesen Vorgang ist eine Befruchtung möglich bzw. bereits erfolgt!!!!!!

l      Deckung erfolgt!

       Achtung: Nachdeckung ist möglich (gewollt oder ungewollt?)

        bis ca. 10 Tage nach erfolgter Paarung, darf es keinerlei Rüdenkontakt geben (ausser es wird gewollt nachgedeckt).

        der Eisprung kann nach der Deckung erst bevorstehen - Befruchtungsfähig werden die Eizellen allerdings nicht zum Zeitpunkt der Ovulation (Rüdenduldung) sondern erst 2 - 4 Tage später nach einer Reifeperiode!! (Riemann 1993, Dr. Münnich 2000)

l      1 Wurf und 2 Väter?

       Möglich ist alles!

        Dass trotz des großen Zeitabstandes zwischen dem ersten Annehmen des Rüden und der Befruchtung ein einmaliges Decken erfolgreich ist, liegt an der relativ langen Lebensfähigkeit der Spermien.

        wenn die Hündin nach der geplanten Deckung „Fremdgegangen“ ist, kann dies bedeuten, dass der Wurf 2 verschiedene Väter hat (Sperma von verschiedenen Rüden waren zum Zeitpunkt der Eireifung in den Eileitern vorhanden).

        DNA-Analyse wird dann bei den Welpen notwendig!

l      Trächtigkeit

       Trächtigkeitsdauer ca. 62 Tage

        ca. 3 Wochen nach der Deckung ist äusserlich kaum noch etwas zu bemerken, ein Züchter der seine Hündin allerdings genau kennt, bemerkt in der ersten Woche bereits eine „feine“ Wesensveränderung

        ab der 5. Woche nimmt die Hündin an Umfang zu evtl. ist ein zäh-glasig farbloser Ausfluss aus der Vulva zu beobachten

       Qualitativ hochwertiges Futter geben - nicht quantitativ füttern - führt zur Verfettung  und zu evtl. späteren Geburtskomplikationen, der Hündin keine Kalziumpräparate während der Trächtigkeit verabreichen - Geburtskomplikationen, durch kaum mehr verformbares Welpen-Skelett bzw.-Schädel.

l      Wurftag

       Wurflager sollte 1 Woche vor dem Wurf zur Verfügung stehen (sauber, trocken, zugfrei)                                            (Zwingervorschriften siehe ÖKV-Richtlinien)

       Erkennbarkeit eines veränderten Verhaltens

        (Unruhe, häufiges Harnabsetzen, Hecheln, Absinken der Temperatur )

       Geburt

        der Abstand der geborenen Welpen sollte nicht zu lange  sein - Tierarzt zuziehen. Bei großen Würfen kann es allerdings zu einer "Pause von mehreren Stunden" kommen, Hündin beobachten!

        ebenso wenn Presswehen vorhanden sind, Fruchtwasser abgegangen ist und nach 30 - 60 min. noch immer  kein Welpe erscheint - rasch zum Tierarzt welcher mit "Hundegeburten" Erfahrung hat - evtl. ist nur noch der Kaiserschnitt eine Lösung, Vorsicht bei "Wehenspritzen" speziell hier kommt es auf die Erfahrung des Tierarztes an.

 

l      Hurra der Wurf ist da!!

       Zufrieden nuggelnde Welpen, die in einer warmen "Wurfkiste" (zwischen 28 - 30 Grad)

       ruhige und umsorgende Mutterhündin

       Züchtertätigkeit für die nächsten 3 Wochen: saubermachen, saubermachen, Hündin mit ausreichendem qualitativ hochwertigem Futter und viel frischem Trinkwasser versorgen

       Achtung: Beobachten Sie Ihre Hündin, sollte Ihnen irgendeine Verhaltensänderung auffallen, könnte das ein Hinweis auf eine Erkrankung darstellen, hier einige Beispiele:

Erkrankung

Ursache

Merkmale

Eklampsie

(Milchfieber)

zu niedriger Kalziumspiegel

Kurz nach der Geburt oder bei Hündinnen bis zu 21 Tage danach, wenn sie einen großen Wurf aufziehen. Speicheln stark, Muskelzittern - Krämpfe

Behandlung: Notfall - sofort zum Tierarzt

Mastitis

(Brustdrüsen-Entzündung)

in der Regel bakterielle Infektion

Schmerzhafte, harte, heiße und geschwollene Brustdrüsen, auch annormal aussehende Milch, Schlaffheit, Fieber, Appetitlosigkeit

Behandlung: Tierarzt beiziehen - Sauberkeit ist oberstes Gebot, mehrmals vorsichtig mit warmen Wasser abwaschen,  Brustdrüsen mehrmals kontrollieren, evtl. kalten Topfen auflegen (die Hündin sollte ihn nicht gleich wieder abschlecken )

Pyometra

Gebärmutter-vereiterung

Wahrscheinlich Unausgewogenheit im Hormonspiegel

Tritt  meistens 4 - 8 Wochen einer Hitze auf, unabhängig ob eine Hündin schonen einmal einen Wurf hatte oder nicht.

Exzessiver Durst, Anschwellen des Unterleibs, Erbrechen, Appetitlosigkeit

Behandlung: Sofort zum Tierarzt - entweder es gelingt bei einer "offenen" Pyometra mit Medikamenten die Abheilung, bei einer "geschlossenen" muß der Uterus durch eine Not-Operation  entfernt werden!

        

       Welpen wöchentlich wiegen (dient nicht nur zur Gewichtskontrolle sondern ist auch der erste soziale Kontakt durch den Menschen)

       mit ca. 2 - 2 1/2 Wochen erstmals entwurmen, dann im 14tägigen Intervall bis zum 3. Monat - (spezielle Wurmpasten erhältlich bei Ihrem Tierarzt). Man kann davon ausgehen, dass alle Welpen bzw. säugende Hündinnen von Spulwürmern befallen sind. Sehr starke Wurmbelastung können Welpen sogar lebensbedrohend schädigen!

 

l      Aufzucht/Sozialisierung/Welpenanalyse

       ab der 3. Woche Zufüttern der Welpen mit fester Nahrung (spezielle Welpen-Fertigfutter und Welpenmilch sorgen für eine ausgewogene optimale Ernährung - niemals könnte man dies durch "Selbst-Kochen" so gut hinkriegen und wenn, dann nur mit enormen Zeitaufwand - immerhin ist ca. 5 x Füttern angesagt!)

 

       Die Prägephase(Sozialisierung)  ab der 4. - 7. Woche

l      Entwicklung zu einem sozialen Lebewesen beginnt

l      gute Kontaktpflege zu den Welpen ist jetzt besonders wichtig

l      Welpenanalyse kann begonnen werden

l      Welpenanalyse

       6. Woche

l      Welpen langsam an verschiedene Umwelteinflüsse heranführen, z. B. Geräusche, Materialien, Hunde-Spielzeug, Futterschleppen legen

l      Interessante Gestaltung des "Welpenzimmers bzw. - Auslaufes" unsere Hunde müssen jetzt auch geistig geforder werden!!!

l      viel Kontakt zum Menschen (Züchter, Familienangehörige, Welpenkäufer, andere Tiere)

       7. Woche - Aktionsradius wird vergrößert

l      „Welpenausflüge“ planen (ans Auto gewöhnen, „Haus und Garten zum Umgraben zur Verfügung stellen“)

l      Kontakt auch zu fremden Menschen ermöglichen (verschiedenen Alters - Kinder)

 

Beispiel einer optimalen Welpenaufzucht (Zwinger "vom Brandlkreuz")

 

Welpen "vom Schwarzkogel" beim "Prägespielen

Futterschleppe

Verschiedene Objekte u. fremder Artgenosse

 

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l      Abschied nehmen!

       8. Woche

l      der Zeitpunkt, wo uns die Welpen verlassen bzw. in ein neues Zuhause wechseln

l      Impfzeitpunkt (Welpen sollten dann noch einige Tage in der gewohnten Umgebung sein)

l      Futterration mitgeben (abrupte Umstellung vermeiden)

 

Das der seriöse Züchter dem zukünftigen Welpenbesitzer mit Rat und Tat zur Seite steht, versteht sich von selbst!!

 

Buchtipps für Züchter und Hündinnenbesitzer: 

Titel

Autor(en)

ISBN-Nr:

Die Hündin

J.M. Evans & Kai White (Züchter und Vet.Med.)

3-929545-78-0

Fortpflanzung der Hündin

Dr.med.vet. Andrea Münnich

3-00-006815-5

Hundezüchtung in Theorie und Praxis

Univ.Prof.Dr. Walter Schleger

Univ.Doz.Dr. Irene Stur

3-224-17000-8

 

Vererbung beim Hund

Inge Hansen

3-275-01396-3

 

 

 

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